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    Department of Psychology I - Workgroup Kübler

    Symposien

    Psychische Erkrankungen und Psychosomatik: Sind sie noch das Eldorado oder schon auf dem Weg eine Wüste der Verhaltensmedizin zu werden?

    eingereicht von: Prof. Dr. Andreas Hillert, (Schön Klinik Roseneck, DE)

    Von Strategien zur Symptomreduktion bzw. zum Coping über die Modifikation von persönlichkeitsimmanenten Schemata bis zur Bewusstseinserweiterung: was ist bzw. bis wohin verortet sich Verhaltensmedizin? Wenn die (aktuelle) dritte Welle der Psychotherapie über die medizinisch-therapeutische Landschaft hinweg gezogen sein wird, wird Verhaltensmedizin absehbar nicht mehr das sein, was sie zuvor war. Eine sich ausschließlich auf Befunde der psychologischen Grundlagenforschung stützende (kognitive) Verhaltenstherapie läuft Gefahr, von einem elaborierten Behandlungsansatz auf das Niveau einer als eher basal imponierenden Therapie zu schrumpfen. Zwar werden die Lebensqualität einschränkende Symptome behandelt. Diese sind letztlich aber nur Teilaspekte dessen, was im Sinne der Ansätze der dritten Welle den (erkrankten)Menschen ausmacht. Physiologische und neurophysiologische Korrelate von z.B. Meditation bis Traumatisierung lassen sich mit naturwissenschaftlichen Methoden aufzeigen. Ein (verhaltens-)medizinischer Zugriff auf diesen Ebenen ist aber, angesichts der Komplexität entsprechender Phänomene, derzeit bestenfalls ansatzweise vorstellbar. Alternativ besteht die Gefahr, dass sich eine ehemals von der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung ableitende Verhaltensmedizin in den „Lotussitz“ katapultiert und dabei methodische Bodenhaftung und die ihr eigene Qualität verliert. Angesichts dieser Perspektiven, die ein auseinanderdriftendes Spektrum von Standpunkten umschreiben, steht an, sich Gedanken über die Positionierung, über Anspruch und Grenzen der Verhaltensmedizin in einer postmodern-diversifizierten, personalisierten und zunehmend unter existenzieller Verunsicherung leidenden Gesellschaft zu machen. Im Rahmen des Symposiums werden die einleitend skizzierten Fragen anhand aktueller Studien, die gesellschaftliche Entwicklungen und Problemkonstellationen der Postmoderne aufzeigen bzw. bezugnehmend darauf Interventionen evaluieren, zur Diskussion gestellt: Wächst das Spektrum verhaltensmedizinischer Methoden und/oder verliert Verhaltensmedizin die konzeptuelle Bodenhaftung?

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    Adipositas: Food Craving, internalisiertes Stigma, essstörungsbezogene Verhaltensweisen und Genderaspekte bei der Gewichtsreduktion

    Astrid Müller, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover, 30625 Hannover, Deutschland

    Das stets verfügbare Überangebot an schmackhaften, stark verarbeiteten Lebensmitteln kann in Kombination mit einem veränderten Ess- und Bewegungsverhaltens zu einer anhaltenden positiven Energiebilanz mit Adipositas führen. Adipositas ist mittlerweile weit verbreitet und mit einer deutlichen Steigerung des körperlichen und psychischen Gesundheitsrisikos assoziiert. Das Symposium befasst sich mit verschiedenen Aspekten, von denen angenommen wird, dass sie bei der Entstehung, Aufrechterhaltung und Behandlung von Adipositas eine Rolle spielen. Der erste Beitrag stellt eine experimentelle Studie vor, die untersuchte , ob nahrungsmittelinduzierte Cravingreaktionen bei Menschen mit morbider Adipositas mit deren Entscheidungsverhalten interferieren (A. Müller). Im zweiten Vortrag geht es neben den psychologischen vor allem um die pathophysiologischen Konsequenzen von internalisiertem Stigma bei Menschen mit Adipositas (C. Luck-Sikorski). Die nächste Präsentation berichtet über die Ergebnisse einer qualitativen Studie zu subjektiv berichteten Strategien und deren Nähe zu potentiell essstörungsrelevantem Verhalten bei Personen, die erfolgreich Übergewicht reduzieren konnten (S. Schroeder). Zum Abschluss des Symposiums werden das Konzept und erste Ergebnisse zur Akzeptanz einer App-basierten gendersensiblen Intervention (I-GENDO) zur Gewichtsreduktion bei Übergewicht und Adipositas vorgestellt (C. van der Velde).

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    Parkinson‘sche Erkrankung: Von neurophysiologischen Grundlagen bis zur therapeutischen Intervention

    Andrea Kübler, Institut für Psychologie, Abteilung Internventionspsychologie, Universität Würzburg; Ioannis Isaias, Molekulares Neuroimaging, Neurologische Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Würzburg.

    Die Parkinsonsche Erkrankung ist neurodegenrativ fortschreitend und wird von den motorischen Kardinalsymptomen Muskelsteifigkeit (Rigor), Ruhezittern (Tremor), Gang- und Standunsicherheit (posturale Instabilität) sowie einer Verlangsamung sämtlicher Bewegungsabläufe (Brady- bzw. Hypokinese) begleitet. Zu weiteren motorischen Symptomen zählt auch das sogenannte „Freezing of Gait“ (FoG), eine plötzliche beim Gehen auftretende Bewegungsblockade, die für wenige Sekunden bis hin zu mehreren Minuten anhalten kann. FoG kann als „circuitopathy“ angesehen werden und es werden neueste Erkenntnisse über die dem FoG zugrundeliegenden neuronalen Mechanismen sowie die daraus folgenden therapeutischen Implikation auch in Bezug auf Tiefenhirnstimulation (DBS) berichtet (I. Isaias). Die DBS wird in aller Regel bei den Patienten im Wachzustand durchgeführt, was zu hohen psychischen Belastungen führen kann. Um hier gezielt intervenieren zu können, müssen die verschiedenen Stressoren identifiziert und quantifiziert werden (C. Moll). Um dem FoG therapeutisch zu begegnen ist es wichtig, das kognitiv-emotionale Erleben um das FoG zu spezifizieren und zu untersuchen, inwiefern Patienten ein sich anbahnendes FoG erkennen können (S. Kleih). Neben den motorischen Einschränkungen treten vielfältige nicht-motorische Probleme auf. Dazu gehören vegetative Symptome wie Verdauungsstörungen, Riechstörungen und Schlafstörungen. Aber auch psychische Symptome, insbesondere Angst und Depressionen. Da Patienten mit Parkinson ohnehin schon sehr beansprucht sind, ist es sinnvoll, hier elektronische Medien zur Unterstützung zu nutzen; ein online Programm, das vor allem jüngere Patienten und ihre Angehörigen anspricht, wird vorgestellt (R. Schönfeld).

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    Psychosoziale Aspekte in der Transplantationsmedizin

    Chair(s): Martina de Zwaan (Medizinische Hochschule Hannover, Deutschland), Mariel Nöhre (Medizinische Hochschule Hannover)

    Das Transplantationsgesetz fordert die Möglichkeit einer psychosozialen Unterstützung für Patienten vor und nach Organtransplantation am Transplantationszentrum. Die Rolle der Psychosomatik in der Transplantationsmedizin ist vielfältig. Einen Einblick gibt die neue S3-Leitlinie zu psychosozialen Aspekten in der Transplantationsmedizin, die derzeit erarbeitet. Weitere Beiträge des Symposiums befassen sich mit der Adhärenz mit Immunsuppressiva, den Auswirkungen einer Transplantation auf die Copingfertigkeiten von Paaren und mit kognitiven Einschränkungen und deren Korrelaten nach Nierentransplantation.

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    Brain-Computer Interfaces in neurological disease: Applications and rehabilitation approaches

    Sonja Kleih, Institut für Psychologie, Abteilung Internventionspsychologie, Universität Würzburg

    For the treatment of chronic or acute neurological disease, such as stroke, multimethodological interventions are usually implemented in clinics or outpatient medical care. These approaches such as neuropsychology, speech therapy, occupation therapy and physiotherapy are proven to be effective and therefore, are usually available for patients in need. However, these approaches mostly target the periphery and therefore, indirectly support changes in the brain. Brain-computer interface based approaches on the other hand, directly use brain activity. Thereby, they can be used as a neurofeedback based rehabilitation tool and specific brain activations can be trained to support plasticity in the damaged brain. Additionally, BCIs can be used for communication in case of motor impairment as brain signals can be translated into messages and thus, allow for interaction with the environment. Using BCI as a communication tool is useful for patients who are paralyzed, but also for patients with Cerebral Palsy. The latter group is challenging to be included in BCI studies as involuntary and sudden movements might produce artefacts and thereby, prevent high signal quality. Data assessment and sensors need to be smart and special methods of data filtering are required.

    In this symposium, we will present BCI based neurofeedback rehabilitation approaches in stroke patients (N. Mrachacz-Kersting, S. Kleih), BCI based communication in people with Cerebral Palsy (R. Scherer) and we will discuss the specifications and specialties a BCI system needs to fulfill when assessing data in patients with chronic neurological disease (C Kranczioch).

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    Einsatz von Technologien zur Behandlung chronischer Erkrankungen: Aufgaben und Möglichkeiten der Verhaltensmedizin am Beispiel des Diabetes mellitus

    Chair: Bernhard Kulzer, Lilli-Sophie Priesterroth

    Diabetes mellitus gilt als Modellerkrankung der Verhaltensmedizin, da wie bei kaum einer anderen chronischen Erkrankung, der weitere Krankheitsverlauf vom Verhalten des Betroffenen (Selbstmanagement) abhängt. Auf der anderen Seite sind die technischen Möglichkeiten zur Behandlung des Diabetes wie z.B. Insulinpumpen, kontinuierliches Glukosemonitoring oder die Kombination aus beiden, die künstliche Bauchspeicheldrüse, so ausgefeilt, dass sie das Selbstmanagement des Diabetes nachhaltig verändern. Diese technischen Unterstützungen sind dabei so ausgelegt, dass sie nicht nur die Behandlungsergebnisse verbessern, sondern auch die Krankheitslast und die Behandlungsanstrengungen reduzieren sollen. Der Einsatz dieser Technologien im klinischen Alltag zeichnet aber ein differenzierteres Bild und zeigt neben den Möglichkeiten auch die Limitationen und Risiken auf. Dies demonstriert die Wichtigkeit des Faktor Mensch („human factors“) beim Einsatz von Technologien zur Behandlung chronischer Erkrankungen. In diesem Symposium werden diese human factors am Beispiel des Diabetes mellitus näher beleuchtet und der Einfluss von neuen Diabetestechnologien auf das Selbstmanagement aber auch die Effekte u.a. auf das psychische Wohlbefinden dargestellt. Des Weiteren wird anhand konkreter Beispiele gezeigt, wie diese human factors in psychoedukativen Interventionen adressiert werden können, um so Behandlungsergebnisse zu verbessern und Limitation der Technologien zu überwinden. In dem Symposium sollen aber auch die Möglichkeiten neuer Technologien für empirische Studien vorgestellt werden. Hierbei wird vor allem Dingen auf die Kombination des kontinuierlichen Glukosemonitorings und der „kontinuierlichen“ Messung von psychologischen Variablen wie z.B. Stimmung über Ecological Momentary Assessment im Rahmen von intensiven longitudinalen Studien eingegangen. Als Anwendungsbeispiel werden die Ergebnisse zum Zusammenhang von Glukose und Stimmung aus einer aktuellen Studie vorgestellt.

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    Mindfulness – basic mechanisms, measurement, and interventions

    Chair: Thomas Kubiak, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    In the recent literature numerous publications on mindfulness can be found and novel therapeutic applications are suggested. At the same time, criticism arises for example because the concept is ill defined, the construct validity is not sufficiently investigated, and too many studies of the same kind (Phase I) are conducted. This Symposium spans from such potential therapeutic or psychoeducative interventions to the criticism, and presents basic research as to potential mechanisms underlying the effects. Pauline Hüper from the University of Würzburg will present results of a study to test the applicability of a mindfulness based psychoeducative group program for people at older age after retirement. Positive effects on quality of life and depressive symptoms could be demonstrated, but problems arose with respect to answer questionnaires on mindfulness and self-compassion. Shervin Vencatachellum from the University of Luxemburg will talk about “Disentangling the underlying mechanisms of mindfulness: Evidence from a pain-cueing paradigm”. Recently proposed interoceptive predictive coding models posit that mindfulness may lead to a prioritization of afferent sensory information over prior beliefs, expectations or desires. According to this framework, subjective experience in mindfulness is less likely to be influenced by prior cognitive and emotional expectations, results of a study aimed at investigating such hypotheses will be presented. Thomas Kubiak from the University of Mainz will talk about “Mindfulness in Daily Life - Lessons Learned from the SMASH Trial” and present insights how mindfulness training may effect behaviour in daily life situations. Finally, our keynote speaker Nicholas van Dam from the University of Melbourne will present in his talk “Misteps and advances in the measurement and delivery of mindfulness“ data on how the measurement of mindfulness can be improved and advocates a proper application and report of mindfulness trainings in respective studies.

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    Psychische Störungen und Internet: Online-Risikofaktoren, Präventions- und Behandlungsangebote

    eingereicht von: Prof. Dr. Andreas Hillert, (Schön Klinik Roseneck, DE)

    Das Internet, potenziert durch die zunehmend mobilere Zugänglichkeit via Smartphone, hat bereits heute erheblichen Einfluss auf die psychosoziale und kognitive Entwicklung von Menschen. Kommunikation und Interaktion verlagert sich in virtuelle Bereiche. Die Qualität des Lernens verändert sich, weg von „Wissensansammlung“ hin zur „Medienkompetenz“. Diese Entwicklungen beinhalten offenkundig Chancen und Risiken: u.a. verschiedene Formen der Internet-Abhängigkeit stehen einem breiten Spektrum an Interventionsmöglichkeiten gegenüber. Die schier unbegrenzten Möglichkeiten sich u.a. über medizinische Themen zu informieren können, werden als Basis einer Demokratisierung von Wissen und einer Professionalisierung von Patienten gelobt. Gleichzeitig kann eben dies zu einer massiven Verunsicherung und der Eskalation z.B. hypochondrischer Ängste führen. Über Online-Medizin lassen sich Präventions- und Therapieangebote kostengünstig streuen und/oder Menschen zugänglich machen, die aus räumlichen und/oder anderen Gründen ansonsten davon ausgeschlossen wären. Einerseits ist Online-Medizin auf dem Weg zur inhaltlich-methodischen Professionalisierung, andererseits ergeben sind Probleme auf unterschiedlichen Ebenen, von Datenschutz-Fragen über dem Medium potentiell eigene Aspekte wie Anonymität und Unverbindlichkeit. So ist Online-Therapie weiterhin als Kassen-Regelleistung nicht vorsehen. Im Rahmen des Symposiums werden die skizzierten Aspekte an empirischen Daten und exemplarischen Projekten aufgezeigt, miteinander abgeglichen und diskutiert.

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