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    Lehrstuhl für Psychologie I - Interventionspsychologie, Verhaltensanalyse
    und Verhaltensregulation

    Süchtiges Verhalten

    Süchtiges Verhalten ist auf neuronaler Ebene u.a. durch eine intensive Stimulation des mesolimbischen-mesokortikalen dopaminergen Belohnungssystems charakterisiert. Diese dopaminerge Stimulation motiviert zu zielgerichteten Handlungen, um die belohnende Substanz erneut zu erlangen. Bei langfristigem Konsum der Substanz kommt es schrittweise zu neuroadaptativen Veränderungen, die zu einer Dysfunktionalität des Belohnungssystems führen. So weisen süchtige Menschen eine geringere Reaktivität gegenüber substanzunabhängigen Verstärkern auf. Unsere Forschung konzentriert sich auf die Untersuchung möglicher Defizite in solchen belohnungsabhängigen Funktionen, insbesondere implizites vs. explizites Belohnungslernen. Wir untersuchen das belohnungsabhängige Lernen bei bestehendem Suchtverhalten im Zusammenhang mit verschiedenen Substanzen (z.B. Nikotin, Alkohol und entsprechende Subgruppen wie Binge Drinker) und anderen belohnenden Verhaltensweisen (z.B. Shopping, Eating), sowie mögliche Moderatoren auf das Belohnungslernen (z.B. Sättigung, Depressivität). Uns interessiert dabei auch die Frage, ob ein defizitäres Belohnungssystem Ursache für oder Folge von süchtigem Verhalten ist.

    Weitere Störungsbilder wie Bulimia nervosa, Binge Eating Störung oder Adipositas werden oft mit Sucht in Verbindung gebracht. Die kurz- und langfristigen neuronalen Mechanismen des Belohnungssystems bezüglich Essverhalten und Sucht überschneiden sich stark. Suchtbezogene Stimuli führen bei abhängigen Menschen zu einer Überaktivierung von Motivations- und Annäherungsnetzwerken, was mit einer eingeschränkten Aktivierung von verhaltenshemmenden neuronalen Strukturen einhergeht (Abb. 1). Ein weiteres Projekt befasst sich daher mit der Frage, inwiefern das Konstrukt „Esssucht“ valide ist, wie es erfasst werden kann und ob sich bei essgestörten Menschen ähnliche peripherphysiologischen, psychologischen und neuronalen Mechanismen bei Konfrontation mit störungsbezogenen Reizen finden lassen, wie bei anderen Süchten.

    Fig. 1. Modell neuronaler Netzwerke, die bei Sucht und Adipositas involviert sind (adaptiert nach Volkow et al., 2003, 2008)

    Ausgewählte Publikationen

    • Meule, A., Heckel, D., & Kübler, A. (2012). Factor structure and item analysis of the Yale Food Addiction Scale in obese candidates for bariatric surgery. European Eating Disorders Review, 20, 419-422.
    • Meule, A. & Kübler, A. (2012). The translation of substance dependence criteria to food-related behaviors: Different views and interpretations. Frontiers in Psychiatry, 3(64), 1-2.
    • Meule, A. & Kübler, A. (2012). Food cravings in food addiction: the distinct role of positive reinforcement. Eating Behaviors, 13, 252-255.
    • Meule, A., Lutz, A., Vögele, C., & Kübler, A. (2012). Women with elevated food addiction symptoms show accelerated reactions, but no impaired inhibitory control, in response to pictures of high-calorie food-cues. Eating Behaviors, 13, 423-428.
    • Paelecke-Habermann, Y., Paelecke, M., Giegerich, K., Reschke, K., & Kübler, A. (2013). Implicit and explicit reward learning in chronic nicotine use. Drug and Alcohol Dependence.

     

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